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das nächste eigene ist die nächste eroberung (in jedem wortsinn) [parallalie am 2005/05/11]

I.

Meine Haut, Schnittstelle zur Welt, behauptet, sich aufwerfend, sie sei heute zu dünn für dieselbe.
Ganz blöd gerade, maule ich, ich hab’ zu tun.
Mach Künstlerschläfchen, pocht Haut, sonst kann ich für nix garantieren.
Okay, sag’ ich, ich leg’ mich kurz ab. Aber wenn ich aufwache, hast du dich beruhigt, ja?
Yo, sagt sie.
Aber sie lügt manchmal. (Tainted Talents)

mit dem finger klopft er ungedudig auf dem tisch herum, legt seine hände zwischendurch flach ab, senkt den kopf. einen momentlang gibt er ruhe, aber nur, um im nächsten wieder aufzuspringen und wie ein gefangenes tier, dem der käfig zu klein ist, hin- und herzurennen. wir können nicht aus unserer haut. nicht wirklich…

II.

sich der eigenen haut bewusst werden oder sein. wissen, dass sie spuren hinterlässt. überall, an den schnittstellen zur umgebenden materie, an den schnittstellen zum nächsten. meist unbewusst. diese tatsache verdrehen und bewusst spuren legen, etwas absichtlich mit der eigenen haut stempeln: das ist meins. hier bin ich gewesen. hier war ich schon einmal. sich so im chaos der möglichkeiten wiederfinden. den eigenen weg damit strukturieren und ihn jederzeit rekonstruieren können… ein ganz un/privater ariadnefaden. aha, das habe ich gemacht. stolz entwickeln. humor zeigen, mit einem fingerabdruck von würstchen, musik, wolle, buchstaben, teig und…

welche spur wird bleiben, wenn du gehst?

Kevin van Aelst:
Right Thumb, 2007, digital c-print, 40 x 30″
Right Ring Finger, 2007, digital c-print, 40 x 30″
Left Index Finger, 2007, digital c-print, 40 x 30″
Left Middle Finger, 2007, digital c-print, 40 x 30″
Right Index Finger, 2007, digital c-print, 40 x 30″
Left Ring Finger, 2007, digital c-print, 40 x 30″

Fingerprints, Kevin Van Aelst

Kevin van Aelst

Kevin wurde in Elmira, New York geboren und hat die meisten jahre seiner Kindheit im zentralen Pennsylvania verbracht. Er erhielt 2002 den B.A. in Psychologie an der Cornell University und 2005 einen MFA von der University of Hartford. Er lebt und arbeitet in New Haven, Connecticut. Er unterrichtete die Fotografie-Klassen an der University of Hartford Art School und am Middlesex Community College und ist derzeit mit einer Lehrtätigkeit an der Universität Quinnipiac und ACES / Educational Center for the Arts High School Program beauftragt. 2008 erhielt er das Stipendium der Connecticut Kommission für Kultur und Tourismus. Wöchentliche  erscheinen Fotos aus seinem Projekt “The Medium” in der New York Times Magazine.

III.

ein gefühl der ohnmacht, sich selbst zerstören wollen, um überhaupt eine möglichkeit zu finden, selbstaktiv zu werden… wenn einem die umstände keine wahl lassen. damit die zeit des wartens abkürzen, und sie in wirklichkeit bis ins unendliche ausdehnen. innere befindlichkeiten nach außen tragen, für jeden sichtbar machen, … der sehen gelernt hat.

Cocaine was a good friend (featuring some kind of audio track) by federico.bebber

Cocaine was a good friend (featuring some kind of audio track)Frederico Bebber, 2010

ok everything
audio pic, irony, melancholy
made by me myself
and
I

(Frederico Bebber)

Elegia, Frederico Bebber, 2010

l’abbraccio adulto in un silenzio
scenico visibile
l’incendio è la stagione
delle tenebre bellissime
avevi fatto in aria un incantesimo
tu cosa sei per me…

(Frederico Bebber)

Somewhere by federico.bebber

Somewhere, Frederico Bebber, 2010

Frederico Bebber

– 1974 in Udine (Italien) geboren. beschäftigt sich seit 1998 mit digitaler Kunst und Bildbearbeitung, nutzt digitale Tools basierend auf Fotografie

– seine kreativen Prozess erfolgen in der Regel langsam und bei Nacht

– diese Kunstwerke werden produziert aus dem Bedürfnis nach Ausdruck heraus

– das Publikum ist universell, Inhalte sind buchstäblich aus dem Alltag, kombiniert und fusioniert mit quälenden Formen, ausgesetzt einer fantastischen Metamorphose, in eine traumhafte und surreale Umgebung versetzt …

– kaum Farben, dafür die gesamte Palette an Grautönen, Weiß, Tiefschwarz

IV.

ich gebe dir einen duft vor. du folgst ihm. der geruch deiner haut liegt in der luft… sie gleicht der deines jüngeren sohnes. genetische fingerabdrücke. künftig auf jedem pass. wir weisen uns aus. ausgesperrt sehen wir uns zu, was unter unserer haut passiert, wo noch etwas pulsiert… genau dahin wollen wir. an die wurzeln unserer…

unsere gesamte äußere haut ist behaart (ausgenommen handflächen, fingerinnenseiten, fußsohlen, brustwarzen, lippenrot). dort sammelt sich deine aura. du scheinst das nicht zu wollen, denn du rasierst den wald möglichst vollkommen ab. wie soll ich dir so folgen können?

Die dünne Haut ist die letzte Sicherungsfolie zwischen Mensch und Mensch und Mensch und Gesellschaft. Es braucht ein dickes Fell sie vor Diffusion zu schützen. Nicht jeder hat es. […]

Dickes Fell bewahrt vor Verletzung und Häutung, vor Risiken von Abrechnung, Zuwendung, Ablehnung und Neubeginn, vor Nebenwirkungen allzu dünner Haut. Pelze machen nicht gescheiter. Ist doch nur die/der “Nackte” in der Lage Erkenntnis sinnlich zu erleben, gleich ob das vor dem konvexen Spiegel der Erinnerung, – „konvex ist der Buckel von der Hex“ – oder vorm konkaven Bild, das Zukunft zugaukelt, geschieht. Kein noch so dicht gewebter Schutzmantel kann, auch wenn er wärmt und vermeintliche Sicherheit verspricht, die gefährliche Lust an und zu dünner Haut ersetzen. In der Berührung mit der Kunst, im Touch me Haut an Haut spanne ich mich. Lass Diffusion zu, um zu entspannen. Erfüllung, Er/Sie/ Es-Fühlung, Einfühlung sind nur als berührende kurze Momente zu erfahren. Wer sie festhalten will, wird des Teufels Gesell’, wird zum Bärenhäuter, bringt sie, bringt sich um. (Paul Reichenbach in: Bärenhäuter, 12.11. 2009)

V.

eroberung: obenauf liegen wollen. reiterspiel. dem pferd die sporen geben können. sich etwas nehmen, was der andere eh freiwillig hergibt. geben und nehmen in beide richtungen.

die eroberungsstempel deiner haut sitzen obenauf und führen bisweilen in tiefere schichten. frankiert und gstempeltjo mei… du kannscht gehe. das, was sich bereits in umlauf befindet, scheint ausgelutscht, es sei denn, es trägt den abdruck hochrangiger wesenheiten. dann wird auf statusübertragung gehofft… als tätowiere der fremde stempel auch den eigenen körper… fremdgestempeltes im eigenen b… Aber wenn ich aufwache, hast du dich beruhigt, ja? die lüge deiner finger löscht die nasse tinte wie ein löschblatt zu omas zeiten. macht dich ein pelz gescheiter?

bei tageslicht: konvex ist der Buckel von der Hex. du bist ein lebendiges rollsiegel mit hohen wiedererkennungswert und amulettfunktion. augenscheinlich macht es mehr spass, den ungestempelten zu erobern (ihnen seinen aufzudrücken… auf seiner haut ist ja noch viel freier platz), … den abgestempelten besitzt man ja schon…

Rollsiegel mit Abdruck

die nächste eroberung… lügt dir auch die taschen voll. einander (zusammen) mit den augen verschlucken und sich dann im anderen auflösen, so dass jegliche signatur verschwindet. einfühlungsvermögen solange, bis neue sicherungsfolie wächst… eine falsche fährte auslegen… aus kuchen, würstchen und kochmusik…